NFL Profi Patrick Venzke organisiert Football Camp im Mönchengladbacher-Hockeypark

Patrick Venzke bei den Jacksonville Jaguars

Er ist der „Deutsche Stier aus Amerika“ und der erste Deutsche, der es in die Profiliga NFL geschafft hat: Im Interview mit dem Florida Insider spricht der 2,01 Meter große und 148 kg schwere Hüne von den Mönchengladbacher Mavericks „Patrick Venzke“ über seinen Werdegang zum Profi und seinem Engagement für den American Football Nachwuchs in Deutschland.

Patrick, wie sind Sie damals zum American Football gekommen, einem Sport, der seinerzeit in Deutschland eher unbekannt war?

Ich wurde 1975 in Essen geboren und habe anfänglich neben Fechten, Reiten und Tennis auch Handball gespielt. Mein Vater war zu dieser Zeit Profi beim Tusem Essen und spielte Handball in der Bundesliga. Irgendwann wurde ich von meinem Freund angesprochen einmal zum American Football Training der „Assindia Cardinals“ zu kommen, zu dieser Zeit war ich mit einer Größe von 1,95 Meter und einem Gewicht von 110-120 kg schon ganz schön kräftig, hatte jedoch vom American Football keinerlei Ahnung. Seit der 1. Sekunde, wo ich die Ausrüstung erhalten und den Helm aufsetzte, bis zum heutigen Tag, bin ich vom American Football begeistert.

Welche Hürden haben Sie nehmen müssen, um es in die NFL zu schaffen?

Ab dem Moment, wo ich mit American Football angefangen habe, bin ich nach deutschen Verhältnissen schon sehr gut und talentiert gewesen, weil ich sehr groß, schnell und durch die verschiedenen Sportarten, die ich vorher ausübte, auch schon sehr athletisch war. Als ich im Jahr 1993 an einem Schüleraustausch in den USA teilnahm, konnte ich den American Football live in der High School kennen lernen. Es war eine ganz andere Welt, in der ich mich schon ganz schön anpassen musste. Durch meine sportliche Leistung an der High School erhielt ich ein Stipendium an der Universität. 1996-1997 spielte ich für die Düsseldorfer Panther. Nach meinem Abitur in Deutschland, sowie der Ableistung des Grundwehrdienstes, studierte ich von 1997 bis 2001 an der Universität in Idaho Marketing. Dort spielte ich 4 Jahre in der Universitätsmannschaft. Nach 4 Jahren und einem Schulrekord von 42 in Folge gespielten Spielen, wurde ich von den Jacksonville Jaguars ins Trainingslager eingeladen. Im Oktober 2001 wurde ich in den aktiven Kaders der Jacksonville Jaguars berufen und mein Traum, als erster Deutscher Spieler in die NFL zu kommen, wurde wahr.

Was war das damals für ein Gefühl zu wissen, dass man es als erster Deutscher in die NFL geschafft hat?

Es war unbeschreiblich zu wissen, dass ich es geschafft hatte und ab sofort in den größten Stadions vor 80.000 Zuschauern spielen dufte. Mein Traum, an dessen Erfüllung ich seit meinem 16. Lebensjahr zusammen mit meinem Vater hingearbeitet hatte, wurde wahr. Mir war sofort bewusst, dass auf mir nun auch eine großen Verantwortung lag, denn wenn man als einziger deutscher Spieler in der NFL spielt, dann spielt man stellvertretend für alle Deutschen, und alle würden denken, wenn man z.B. beim Training blau macht, dass alle Deutschen faul sind, es wird hier nämlich alles schnell verallgemeinert, und so habe ich sehr darauf geachtet, kein Training zu verpassen und auch meine Topleistung erbracht, wenn ich verletzt gespielt habe.

Für welche Teams haben Sie nach Ihrem Start als Profi-Footballer gespielt?

Während meiner Zeit als NFL Profispieler wurde ich oftmals an die NFL Europe ausgeliehen, um Spielerfahrung zu sammeln. Hier habe ich für die Düsseldorfer Rhein Fire und von 2003-2004 für die Frankfurter Galaxy gespielt. Nachdem es sportlich keine Perspektiven bei den Jacksonville Jaguars mehr für mich gab, bin ich 2002 zu den Philadelphia Eagle gewechselt und spielte von 2003 bis zu meiner Schulterverletzung 2005 für die Indianapolis Colts.

Wie empfanden Sie die Auflösung der NFL Europe?

Es war für alle Spieler ein großer Schock und natürlich auch für die Fans. In einer Phase, in welcher sich der American Football in Europa gerade zu entwickeln begann die Liga aufzulösen, damit hatte niemand der Spieler gerechnet.

Sie haben die NFL 2005 als aktiver Spieler wegen Ihrer Schulterverletzung verlassen, wie ging es weiter?

Ja, nach meiner Schulterverletzung habe ich die Profiliga verlassen müssen und in Jacksonville/Florida angefangen Luxushäuser zu bauen und Mietwohnungen zu kaufen, welche ich entweder vermiete oder aber verkaufe. Obwohl meine Ärzte mir seinerzeit mitteilten, dass ich nie wieder Football spielen könne, trainierte ich aktiv weiter. Ich verlor nie den Glauben, einmal wieder aktiv spielen zu können. In den darauf folgenden Jahren war ich neben dem Immobilien Bereich als Spielerberater und -vermittler tätig. Ich trainierte und förderte Mike Lupati, einen Spieler aus Idaho, welcher dann mit einem Multimillionen Dollar Vertrag Profi wurde und heute bei den San Francisco 49ers spielt. Weiterhin verhalf ich in dieser Zeit vielen deutschen Nachwuchs Talenten zu einem Sportstipendium in den USA.

Sagen Sie Patrick, ist Ihr selbstbewusstes Auftreten eine Folge Ihres sportlichen Erfolges, oder ist das Ihre persönliche Marke?

Das ist meine persönliche Einstellung zum Leben, ich blick immer nach vorne nach dem Motto „mal schauen, was noch geht“ ohne dabei arrogant wirken zu wollen. Mit einer positiven Einstellung kommt man im Leben weiter und ist in der Lage jede Herausforderung zu meistern.

Welches war für Sie die schwierigste Zeit in Ihrem Leben?

Als ich 19 Jahre alt gewesen bin, trennten sich meine Eltern, meine Freundin verließ mich und meine Cousine starb.

Was war Ihre schönste Zeit?

Die Zeit bei den Jacksonville Jaguars und bei Rhein Fire.

Was ist Ihnen, abgesehen von Ruhm und Job am wichtigsten?

Meine Familie, ich habe eine Frau und 2 Kinder die in unserer Familienresidenz in Moscow/Idaho leben. Ich lebe zwar zurzeit in Jacksonville/Florida beziehungsweise bin oft unterwegs, dennoch verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie, diese ist es von meiner Zeit als NFL Profi gewohnt, dass ich oft unterwegs bin.

Patrick, Sie spielen derzeit wieder aktiv in Deutschland in der GFL bei den Mönchengladbach Mavericks, wie ist es hierzu gekommen?

Ich erhielt im Mai dieses Jahres einen Anruf von Walter Rohlfing, Headcoach der Mavericks, und wurde von ihm gefragt, ob ich nicht in dieser Saison für die Gladbacher Stiere spielen möchte, er brauche einen Spieler wie mich und verstand es mich schnell zu überzeugen.

Nachdem Sie nun wieder in Deutschland American Football spielen, wie sehen Sie die Entwicklung im Vergleich vor 6 Jahren?

Technik- und Physik sind seit Wegfall der NFL Europe nicht mehr so gut wie vor 6 Jahren. Die Fans kommen langsam wieder zurück, insbesondere Düsseldorf (Panther) und Mönchengladbach (Mavericks) verzeichnen einen stetigen Fan Zuwachs, worüber ich mich sehr freue.

Sie sind sehr engagiert an der Förderung des Nachwuchses und bieten am 10.09. hierfür extra als Highlight ein Football Camp im Mönchengladbacher Hockeypark an, was genau kann ein Spieler hiervon erwarten?

Das Camp dient als Trainings- und Sichtungslager. Teilnehmen können insgesamt circa 100 Spieler die z.B. aus der National- und NRW Auswahl beziehungsweise der GFL und RL stammen. Ich lasse hierzu extra 2 Profitrainer der NFL einfliegen, die den Spieler Tipps und Tricks aus den USA beibringen.

Welche Voraussetzungen sollte ein Spieler im American Football mitbringen um Erfolg zu haben?

Motivation und absoluter Wille zum Erfolg! Die Technik können wir dem Spieler beibringen, ebenso können wir den Spieler körperlich aufbauen. Motivation und Wille zum Erfolg muss aber vom Spieler selber kommen, das können wir ihm nicht lehren. Motivation und Wille zum Erfolg haben dazu beigetragen, dass ich wieder aktiv spiele. Hätte ich meinen Ärzten geglaubt, würde ich heute mit Bestimmtheit nicht mehr spielen.

Sie erwähnten den Begriff Sichtungslager, was kann man sich hiervon vorstellen?

Wie schon erwähnt, es werden 2 Trainer der NFL anwesend sein, die dann natürlich auch Ausschau halten nach geeigneten Spielern. Die Trainer geben Empfehlungen an so genannte Scouts in den USA weiter, die für die Rekrutierung zuständig sind und durch die die Spieler dann zu einem Probetraining eingeladen werden. Den Spielern bietet sich somit die Chance an, zu einem der begehrten Sportstipendien in den USA zu gelangen, eine Möglichkeit, die es seit dem Wegfall der NFL Europe so für die Spieler in Deutschland nicht mehr gibt. Ich weiß schließlich aus eigener Erfahrung, welche Träume ein Spieler bei seiner sportlichen Karriere hat und fühle mich den deutschen Spielern gegenüber besonders verbunden zu deren Realisierung ein Stück beitragen zu können.

Soll das heißen, dass es nicht bei dem einen Football Camp bleiben wird?

Ja, auch zukünftig möchte ich den Nachwuchs intensiv fördern, mein Traum ist es, zusammen mit Werner Hippler deutschlandweit zukünftig drei mobile Football Camps anzubieten und später dann auch im übrigen Europa.

Ist Werner Hippler nicht neben Ihnen der 2. Deutsche, der es in die NFL geschafft hat?

Ganz genau, daneben wurde Werner Hippler von der NFL Europe zweimal als bester Spieler ausgezeichnet.

Da bieten sich ja hervorragende Aussichten in Zukunft für die Spieler und auch der American Football ihn Deutschland kann hiervon nur profitieren. Wir wünschen Ihnen für die Umsetzung Ihrer Pläne/Träume natürlich alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

Vielen Dank!

 

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